32 Quadratmeter Hoffnung

2008 organisierte der der Salvatorianer Pater Artur Chrzanowski eine Weihnachtsfeier für 500 Kinder aus den Armenviertel Manilas. Doch er wollte nachhaltig verändern. So gründete er 2010 “ Puso Sa Puso, eine salvatorianische Hilfsorganisation auf den Philippinen. Mit einer Schule im Container und einem alternativen Lernprogramm begann eine Erfolgsgeschichte: 1200 Schüler wurden erfolgreich auf den anerkannten Schulabschluss vorbereitet, 600 Kinder unter sechs Jahren erhielten mittlerweile Vorschulunterricht.

Schulen, Lehrer, Material: alles wird durch Spendengelder finanziert. Wir haben die beiden Lernzentren Anfang November besucht und haben in jeder Begegnung gespürt, dass Puso das Leben der Menschen positiv verändert. Deshalb bitten wir Sie in diesem Jahr um Ihre Hilfe für die beiden Schulen in Manila.

Ein Bericht unseres Projektbesuches finden Sie hier und noch einmal zum Nachlesen im aktuellen Rundbrief.

Eine Containerschule in Manila

Ein bunt bemalter Container steht vor einer Mauer. Wie ein Farbkleks hebt er sich ab vom versmogten Strassenbild der Millionenmetropole Manila. Dass sich darin eine ganze Schule befindet, lässt sich von außen nicht erahnen. Direkt gegenüber markiert ein großes Schild den Eingang nach Parola, einem der größten Armenviertel der philippinischen Hauptstadt. Es gilt als eines der dicht besiedelsten Gebiete der Welt. 57.000 Menschen leben dort von der Hand in den Mund, in Schmutz und menschenunwürdigen Bedingungen – viele ohne Strom und Wasser.

Rund die Hälfte der Bewohner sind Kinder. Schon in jungen Jahren müssen sie zum Lebensunterhalt beitragen, sammeln Müll oder schälen Zwiebeln. Jedes zweite Kind ist hier durch körperliche und sexuelle Gewalt traumatisiert. Unter diesen Bedingungen brechen viele die Schule vorzeitig ab oder besuchen sie erst gar nicht.

Eine zweite Chance für Schulabbrecher

Auf 17 dieser Schulabbrecher treffen wir an diesem Morgen, als wir den Container betreten. Die Mädchen und Jungen zwischen 13 und 19 Jahren bilden die ersten von 4 Lerngruppen, die hier täglich zusammenkommen. Mit alternativen Lehr- und Lernmethoden holen die Schüler in zwei Mal zehn Monaten die Primar- und Sekundarschule nach. Mit der bestandenen Abschlussprüfung erhalten sie einen gleichwertigen High School Abschluss, mit dem ihnen der Weg zu weiterführenden Bildungseinrichtungen offen steht.

ALSA BUHAY heißt das Programm und ist ein Ableger des so genannten „Alternative Learning System Program“, kurz ALSP, das 1999 vom Ministerium für Erziehung eingeführt wurde. Das staatliche Programm aber ist nur mäßig erfolgreich. Rund 75% der Schüler brechen vorzeitig ab. Anders bei ALSA BUHAY. Hier feierten 98% der Schüler im vergangenen Jahr ihren Abschluss. Diese hohe Erfolgsquote aber war ein langer Prozess.

Individuelle Betreuung sichert Erfolg

„In den letzten acht Jahren haben wir das Programm stetig weiterentwickelt“, erzählt uns die Leiterin des Projekts, die Salvatorianerin Schwester Frances Mangabat. Mittlerweile gibt es Seminare und Programme für Eltern, junge Mütter, für Vorschulkinder. Sie alle sollen das Risiko minimieren, dass die Kinder die Schule vorzeitig verlassen oder das Programm abbrechen. Es gibt eine intensive und individuell zugeschnittene Betreuung – sozial wie pschologisch, vom Klassenzimmer bis hinein ins Zuhause der Schüler.

Um die schwierigen Fälle kümmert sich Jennifer Basconcillo, eine von zwei Sozialarbeiterinnen. Bleiben Schüler dem Unterricht fern, geht sie zu den Familien, klärt, betreut und hilft. Gemeinsam mit ihr wagen auch wir uns in das Viertel. In der Regel ist es gefährlich, doch die Mitarbeiter von Puso werden hier respektiert. Wir merken, die Bewohner vertrauen Jennifer – vielleicht auch, weil sie eine von ihnen ist und selbst in einem Armenviertel groß wurde. Seit 3 Jahren arbeitet sie nun bereits für Puso.

Nicht nur Arbeit, sondern Mission

Und sie ist nicht die einzige, die dem Projekt tief verbunden ist. „Puso verändert die Sichtweise – die der Schüler und der Eltern, aber auch die des Lehrpersonals“, lächelt Schwester Frances. „Für sie ist der Unterricht nicht nur Arbeit, sondern eine Mission“. Deshalb bleiben viele von ihnen über Jahre, obwohl Puso nicht das gleiche Gehalt zahlen kann wie der Staat. Rund 10.000 Pesos weniger verdienen die Lehrer bei Puso – ein halbes Vermögen auf den Philippinen. Mittags fahren wir weiter nach Payatas. Dort steht mitten im Slum das zweite Lernzentrum, ein schlichtes gemietetes Haus. Hier trifft sich das siebenköpfige Team der Einrichtung zum gemeinsamen Essen und wir begegnen Daniel. Der 19-Jährige ist einer der Freiwilligen aus Deutschland, die das Vorschulprogramm für Kinder unter sechs Jahren betreuen. Spielerisch und in kleinen Gruppen bereitet er die Kinder auf die Grundschule vor – in den Häusern der Familien. Als wir ihn zum Nachmittagsunterricht begleiten, kommen plötzlich vier Mütter. Sie singen und bringen ihm einen Kuchen mit Kerze. Daniel hat heute Geburtstag.

Als Christen an der Seite der Armen

Es ist überall spürbar: Puso Sa Puso ist zu einem enormen Projekt gewachsen – enorm in seinem Umfang, enorm in
seinem Erfolg. Am Ende des Tages treffen wir schließlich den Mann, mit dem alles begann, den Salvatorianer Pater Artur Chrzanowski. Wir führen ein langes Gespräch. Er beklagt, dass die Salvatorianer die einzigen Vertreter der katholischen
Kirche sind, die sich um die Menschen in den Slums kümmern. „Wenn wir nicht mehr vor Ort sind, ist auch die Kirche weg“, zieht er Bilanz. „Es ist unsere Aufgabe als Katholiken, als Christen, an der Seite der Armen zu sein.“

Puso Sa Puso –  das Bildungskonzept im Überblick

Mit zahlreichen, begleitenden Sozialprogrammen,
Aktionen und Aufklärungsarbeit ist Puso Sa Puso
mehr als ein Schulprojekt. Es umfasst mittlerweile:

  • ein Vorschulprogramm für unter Sechsjährige
  • ALSA BUHAY, ein alternatives Lernsystem für
    Schulabbrecher
  • ein Berufstraining während der Wartezeit auf
    die Abschlussergebnisse
  • ein Stipendienprogramm für die weiterführende
    Schulbildung
  • ein Serviceprogramm für die Eltern mit Seminaren
    zu Kinderrechten und Aufklärungskampagnen
    zum Wert von Bildung
  • Livelihood-Programme für Schüler und deren
    Familien
  • Gesundheitserziehung für Teenager-Mütter
  • eine Schulspeisung und wöchentliche Verteilung
    von Reis an die Familien
  • eine jährliche Weihnachtsfeier für rund 1.000
    Kinder

So können Sie helfen

 

€ 33

Unterricht

für zwei Monate pro Schüler

€ 62

Wochengehalt

einer Lehrkraft

€ 104

Monatliche Kosten

Strom und Wasser

Helfen Sie mit Ihrer Weihnachtsspende und unterstützen Sie das Team und die Kinder in Manila. Jeder Euro hilft und schafft Zukunft.

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