Ernte für 40 Familien

Mit Gemüseanbau, Fisch- und Ziegenzucht wehrt sich eine Gemeinde in Brasilien gegen die Migration, gegen Armut und Hunger. Die Agrarkooperative in Vila Fatima ist ein Pilotprojekt, das derzeit rund 160 Menschen ernährt und in der Region Kreise ziehen soll.

Menschenhandel und Armut in Maranhão

Maranhão, im Nordosten von Brasilien, ist die ärmste Region des Landes. Zwischen den Wäldern des Amazonas und der Küste gelegen ist das Gebiet ländlich geprägt:  Mit wenigen Städten, wirtschaftlich unterentwickelt und weitgehend abhängig von  Landwirtschaft und Viehzucht. Trotz des fruchtbaren Bodens investieren staatliche Behörden und Organe nicht. Auf der Suche nach Arbeit wandern viele Menschen in andere Regionen ab.

Besonders dramatisch ist, dass viele junge Männer dabei als Arbeitssklaven zu Opfern des Menschenhandels werden. Kriminelle Arbeitgeber versprechen ihnen Arbeit, zahlen die anfänglichen Reisekosten und lassen sich diese und den gesamten Lebensunterhalt im Anschluss durch Zwangsarbeit bezahlen. Nur wenige finden den Mut zu fliehen und ihre Geschichte an die örtlichen Behörden zu melden.
Abgesehen von der Menschenrechtsfrage werden so die Dörfer junger, kräftiger Männer beraubt. Zurück bleiben Frauen, Kinder und ältere Menschen, die von Subventionen oder kirchlicher Hilfe leben müssen.

Vier Schritte zur erfolgreichen Agrarkooperative

Um diesem Problem zu begegnen unterstützen die Salvatorianer eine Agrarkooperative, in der sich 40 arme Bauern zusammenschlossen, um durch gemeinsame Landwirtschaft den Lebensunterhalt ihrer Familien aufzubessern. Diese vierzig Familien, rund 160 Menschen, bilden das Dörfchen “Vila de Fatima“ in etwa 40 km Entfernung der Stadt Coelho Neto, in der die salvatorianische Pfarrei ihren Sitz hat.

Durch die nationale Agrarreform erhielt die Kooperative 1862 Hektar Land, die erfolgreich bewirtschaftet werden sollten. Die Salvatorianer halfen dabei nicht nur finanziell, sondern unterstützten bei der Planung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen und bei Schulungen in Anbau, Marketing und Verkauf.

Insgesamt umfasste das Projekt vier Kernbereiche:

  • Gemüseanbau
  • Ziegenzucht
  • Fischzucht
  • Marketing und Vertrieb

Die Ernte und die Zucht sollten zunächst den Eigenbedarf decken, in einem weiteren Schritt verkauft und so zur Einkommensquelle der Bevölkerung werden. Durch mehr Fisch und Fleisch sollte auch der Gesundheitszustand der Kinder verbessert werden. Weniger Krankheiten bedeuten weniger Ausgaben für Medikamente und Ärzte, mehr Geld für Bildung und Schule.

16 Babyziegen und erste Verkäufe

Mittlerweile wurden der Gemüsegarten auf 5.000 m² Fläche errichtet. Die Bewässerung wurde durch ein Wasserpumpsystem gesichert. Traktoren für die Bearbeitung des Landes wurden angeschafft, Saatgut in die Erde gebracht und die ersten Ernten bereits eingefahren und verkauft. 87 % des Anbaus werden derzeit mit dem Motorrad auf den Markt gefahren und finden dort reissend Absatz.

Auch der Ziegenstall hat sich mit Leben gefüllt: Die anfänglichen 20 Ziegen und ihr männlicher Begleiter hatten bereits im Februar 2017 16köpfigen Nachwuchs. Das umgebende Weideland wurde entsprechend präpariert und umzäunt.

Für die Fischzucht wurden 4 Zuchtteiche angelegt, Medikamente und Fische für den Einsatz gekauft. Zwei Drittel der Fische gehen derzeit in den Verkauf, der Rest deckt den Eigenbedarf der Familien.

Zwischen 2014 und 2016 wurden die verantwortlichen Bauern für die einzelnen Schwerpunktbereiche ausgewählt und entsprechend geschult und trainiert.

Insgesamt wurde aus dem ursprünglich unbewirtschafteten Land fruchtvolle Erde, die Einkommen der 40 Familien steigerten sich merklich, die Migration wurde gestoppt und nicht zuletzt der Gemeinschaftssinn gestärkt.

Unser Projekt in Bildern

So können Sie helfen

Das Projekt wurde mit der großzügigen Unterstützung der italienischen Bischofskonferenz realisiert. Wir sagen an dieser Stelle noch einmal unseren herzlichen Dank.

Das Projekt kann als Pilotinitiative verstanden werden, die auch in anderen Gemeinden und Dörfern der Region umgesetzt werden könnte. Schon heute ist Vila Fatima für die umliegenden Gemeinden ein erfolgreiches Beispiel für gewinnbringende Zusammenarbeit der Bevölkerung.

Standort
Coelho Neto, Bezirk Maranhão, Brasilien

Salvatorianer in Brasilien

In Maranhão, einem sehr armen  Bundesland  Brasiliens arbeiten vier Salvatorianer: drei Patres und ein Ordensbruder. Zweimal pro Jahr können die Patres alle Aussenstationen und Kapellen der Pfarrei besuchen und persönlichen Kontakt mit allen Gruppen halten.

Im Rahmen der Pfarrei führen unsere Mitbrüder eine Reihe von sozialen Initiativen. So richteten sie Handarbeitkurse für Frauen ein und führen Kurse für Verkaufstechniken und Gesundheitskurse durch. Sie führen den Vinzenzverein (für die Caritas und die Armen in der Pfarrei) und begleiten 50 Leiter, welche über 1100 Kinder zwischen 0 und 6 Jahren gesundheitlich überwachen. Sie richten Musikkurse ein, sowohl Singen wie instrumentale Musik. Dreimal pro Jahr führen sie Kurse durch für die Leiter der 60 Zellen im Hinterland. Es sind beispielsweise Kurse bezüglich Gruppenorganisation, die kirchliche Soziallehre oder andere wichtige Themen in den christlichen Gemeinden. Sie animieren die 13 Basisgemeinschaften in der Pfarrei. Die meisten dieser Aktivitäten werden von Ehrenamtlichen mitgetragen.

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