Chirurgie im Philippine General Hospital – Emergency Room

Ich war 2012/2013 als Freiwilliger tätig. Nun bin ich wieder auf den Philippinen für einen Teil meines Medizinstudiums: Das Praktische Jahr. Dabei verbinge ich einen Monat in der Abteilung General Surgery 1, einen Monat in General Surgery 2, einen Monat in General Surgery 3 und einen Monat in Trauma Surgery.

Emergency Room

Drei Wochen war ich nun im Emergency Room (Notaufnahme) des Philippine General Hospitals (PGH) unterwegs. Dabei war ich den Chirurgen unterstellt und habe versucht soweit es geht mitzuhelfen. Die meiste Zeit habe ich dabei mit dem Team des „Surgeon on Duty“ (SOD) verbracht, welcher die erste Anlaufstelle für alle chirurgischen Notfälle ist. Das Spektrum ist dabei recht breit und reicht von Blinddarmentzündungen über Brustkrebs bis zu Verkehrsunfällen. Nächste Woche ist bereits meine letzte Woche am PGH. Vermutlich werde ich da zum Abschluss nochmal im OP arbeiten.

Die letzten drei Wochen waren durchaus recht anstrengend für mich, denn die Arbeit in der Notaufnahme des PGH ist ermüdend. Hier sieht man wie das öffentliche philippinische Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt. Im Emergency Room – der eigentlich mehr eine Emergency Halle als ein Raum ist – liegen und stehen die Patienten und warten auf eine Behandlung. Der Andrang ist so groß, dass die Patienten auch außerhalb der Notaufnahme in den Gängen, Ecken und Winkeln rundum untergebracht sind. Dort warten sie dann je nach Dringlichkeit teilweise tagelang, bis sie dann hoffentlich endlich operiert werden können. Es kommt vor, dass Patienten mit einer akuten Blinddarmentzündung drei Tage warten müssen bis sie operiert werden. Teilweise versterben Patienten auch beim Warten auf die OP, zum Beispiel Opfer von Verkehrsunfällen. Manchmal habe ich das Gefühl in einem Kriegslazarett zu arbeiten. Leid, Hoffnung, Heilung und Tod liegen hier nah beieinander.

Dabei kann man weder Ärzten noch Pflegern einen Vorwurf machen. Alle arbeiten am Limit für die Versorgung der Patienten. Es mangelt leider schlichtweg am System und der Organisation. Die personelle und technische Ausstattung der Klinik können dem Andrang der Patienten tragischerweise nur mäßig gerecht werden. Es gibt zum Beispiel lediglich ein CT-Gerät für alle Patienten der Klinik. Auch Anzahl der OP-Säle, Chirurgen und OP-Pflegern reicht einfach nicht aus um alle Patienten rechtzeitig zu Behandeln. Medikamente (z.b. zum Intubieren) fehlen. Zudem schlagen viele Patienten in der Notaufnahme auf, die in Deutschland auch z.B. beim Hausarzt behandelt werden könnten (etwa kleine Schnittwunden) und sorgen für zusätzliche Belastung. So kommt es dann auch vor, dass man den Patienten raten muss ein privates Krankenhaus oder Diagnostikzentrum aufzusuchen, denn dort ist die Ausstattung besser und die Behandlung deshalb schneller. Wer sich das aber nicht leisten kann, muss wohl oder übel einfach warten und hoffen. Man kann sich nur wünschen, dass der philippinische Staat es schafft diesen Zustand zu verbessern.

Ich versuche dabei den Spagat zwischen Ausbildung und Mithelfen zu meisten. Zum Beispiel interviewe ich Patienten, nehme Blut ab, lege venöse Zugänge, wechsle Katheter, wechsle Infusionen und habe auch schon zweimal kleinere Wunden nähen dürfen. Dabei schaue ich mit einer Mischung aus Bewunderung und Mitleid auf die philippinischen Ärzte und Studenten die in 12h, 24h und 36h Schichten versuchen die öffentliche medizinische Versorgung der Patienten sicherzustellen.

Fazit PJ-Tertial am Philippine General Hospital

Ich habe in den letzten 4 Monate einiges im PGH erlebt und gelernt. Für mich waren nicht alle Eindrücke leicht zu verdauen und teilweise war die Arbeit auch psychisch und physisch belastend. Vielleicht auch deshalb weil ich mich bemüht habe aktiv mitzuarbeiten und nicht nur Zuschauer zu sein. Trotzdem würde ich es sofort wieder machen. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht hat und ich habe auch viel gelernt. Die philippinischen Ärzte waren fast fast ausschließlich nett zu mir, trotz ihres wahnsinnigen Arbeitspensums. Nun freue ich mich aber auch wieder auf Daheim und auf alle meine Freunde und Verwandten dort!

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