Halbzeit

Nach einem halben Jahr Philippinen hatte ich Ende Januar das Zwischenseminar, wo ich mich mit 15 anderen Freiwilligen und zwei Seminarleitern in Negros in einem kleinen Resort in La Libertad getroffen habe. Dort haben wir uns über die verschiedenen Entsendeorganisationen, die Arbeit und allgemein unsere Erfahrungen mit Kultur und Menschen ausgetauscht.

Auch ich konnte viel über Puso sa Puso und meine Arbeit dort erzählen. Mittlerweile arbeite ich dort schon seit vier Monaten und habe meine festen Klassen, trotz kleiner Änderungen zwischendurch. Man kann sich das ganze so vorstellen:

Parola liegt an einer großen, von vielen Lastwagen befahrenen Straße. Es ist unterteilt in viele Gates, was sowas wie ein Eingang/Tor ist, durch das man geht, um in den Slum zu kommen. Die Gates sind mit Nummern gekennzeichnet, welche zur Orientierung beitragen. Aber natürlich kann man innerhalb der Gates auch zum nächsten laufen. Das Center von Puso sa Puso liegt gegenüber von Gate 1 in zwei bunt bemalten Containern. Im Center werden die älteren Schüler von den fest angestellten Lehrern unterrichtet. Dort gehe ich nach ca. einstündiger LRT- (Zug-) und Jeepneyfahrt jeden Tag als erstes hin, um meine Wertsachen dort zu lassen. Nach einem kurzen Plausch mit den Lehrern geht es dann um 9.30 Uhr in den Slum. Nach fünf- bis zehnminütigem Fußweg zu Gate 54, wo ich im oberen Stockwerk eines Sari-Sari Stores (meistens nur eine Fensteröffnung, wo von Lebensmitteln bis Hygieneartikel alles raus verkauft wird) meine zehn-köpfige Klasse für eine Stunde unterrichte. Danach geht es weiter zu Gate 56, wo ich mich mit Lukas treffe. Dort unterrichten wir zusammen sechs Kinder in einer selbstgebauten Holzhütte auf Stelzen (aufgrund der Überschwemmungen in der Regenzeit) nahe am Pasigriver. Allerdings kommen hier nicht immer alle sehr zuverlässig, dafür sind aber jeden Tag neue Gesichter dabei, die auch mal mitmachen wollen. Um 11.30 Uhr geht es zurück ins Center zum Mittagessen. Entweder holen wir uns unser Essen in einer der Eateries im Slum, wo man billig selbstgekochtes, typisch philippinisches Essen kaufen kann, oder einer der Lehrer hat etwas in der kleinen Küche im Center gekocht. Um 13.00 Uhr geht es dann zurück in Gate 56 für meine letzte Klasse, die mal mehr, mal weniger aus sieben Kindern besteht und auch hier immer wieder zusätzlich aus Geschwistern oder Freunden der Schüler. Um zwei geht es zurück ins Center, von wo es nach der Merienda (Snackpause) nach Hause geht.

Der Unterricht läuft in allen Klassen immer ungefähr gleich ab. Zu Beginn spiele ich meistens ein kleines Spiel um die Kinder aufzuwecken. Danach werden Zahlen, Farben, Formen, etc. abgefragt. Daraufhin folgt meistens eine Schreibübung, um das Alphabet oder die Zahlen zu lernen. Am Ende wird wieder gespielt oder gemalt. Durch die vielen Vorgänger habe ich schon viele Unterrichtsmaterialien, die ich verwenden kann. Jedoch ist es immer noch schwierig, Spiele mit den Kindern zu spielen, da es mir schwer fällt, sie aufgrund fehlender Sprachkenntnisse zu erklären und da auch kein Platz für viele Spiele ist. Das erschwert auch den Unterricht, da ich immer mit den Kindern auf dem Boden sitze und auch keine Tische habe, um zu schreiben oder zu malen oder basteln. Zudem muss ich jedes mal alle Unterrichtsmaterialien von meinem Zuhause bis in die Gates mitschleppen. Dennoch habe ich einige Alternativen gefunden und der Unterricht macht den Kindern trotzdem viel Spaß und sie freuen sich jedes Mal wenn ich wieder komme und rennen, wenn sie mich sehen schon auf mich zu und begleiten mich jedes Mal wieder zurück zum Gateeingang.

An Weihnachten gab es noch ein besonderes Event für die Kinder. Lukas und ich haben nämlich eine Christmasparty für die Kinder veranstaltet, die im Center stattgefunden hat. Dort haben wir Spiele gespielt, gesungen, getanzt und die Kinder durften auch noch etwas aufführen. Am Ende gab es dann das berühmte Fried Chicken mit den süßen Spaghetti zum Mittagessen, was bei den Kindern sehr beliebt ist. Selbstverständlich durfte die Beschehrung nicht fehlen und so hat jedes Kind eine Geschenketasche bekommen, gefüllt mit Schulsachen, Spielsachen, Kleidung und Süßem.
Natürlich gab es noch viele weitere Christmasparties, wie die Charity Christmasparty für über 1000 Kinder, ein Fest für „homeless families“ (obdachlose Familien), die Christmasparty für die Schüler und für die Lehrer, und noch viele weitere.

Nach den vielen Parties waren dann erst einmal drei Wochen Schulferien. Über Weihnachten sind Lukas und ich nach Siargao geflogen, um einen deutschen Freund dort zu besuchen. Da die Insel ein beliebtes Touristenziel ist, konnten wir leider nicht ein typisch philippinisches Weihnachten miterleben. Ich habe mir aber sagen lassen, dass die Filipinos Weihnachten mit der Familie verbringen und zusammen essen und spät Abends zusammen in die Kirche gehen. Das Essen durfte ich trotzdem oft miterleben, da wir an den Tagen darauf noch Freunde von unserem deutschen Freund besucht haben, die uns die Reste angeboten haben. Die Weihnachtszeit beginnt hier allerdings schon in den -ber-Monaten also September, was sich durch die Weihnachtslieder und -deko überall bemerkbar macht.
An Silvester ging es für uns wieder in den Norden, wo wir schon einmal waren und so schon einige Leute kannten, aber auch viele neue Leute kennengelernt haben. Dort haben wir mit allen Hostelgästen ein philippinisches Silvester erlebt. Dabei wird sehr viel Essen gekocht, das allerdings erst um Mitternacht gegessen wird. Da wir das nicht wussten und nichts mehr seit dem Mittagessen gegessen hatten, haben wir die Besitzer überredet schon etwas früher zu essen, so dass wir um Mitternacht gerade fertig waren und das neue Jahr am Strand begrüßen konnten. Zum neuen Jahr gab es auch viele runde Früchte, da das Glück bringen soll.
Im neuen Jahr ging dann der Unterricht für wenige Wochen weiter, bevor wir zu unserem Zwischenseminar geflogen sind. Danach sind wir noch mit ein paar Freiwilligen durch die Visayas gereist, wo wir die wunderschöne und abwechslungsreiche Natur der Philippinen entdecken konnten.
Jetzt ist wieder der Alltag eingekehrt und es steht bis Ostern nichts mehr an, wo ich dann endlich meine Familie wiedersehe und ihr alles zeigen kann.

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